Presseinfo:
Gerhard Polt
und die Well Brüder
Deggendorf Stadthalle 1
Samstag, 21. November 2026, 19.30 Uhr
Einlaß: 18.30 Uhr
Neues Programm: „Apropos“
GERHARD POLT verkörpert wie kaum ein anderer die Zerrissenheit des bayerischen Wesens zwischen Spießertum und Anarchie. Das Besondere an seinen Sketchen ist seine genaue Beobachtungsgabe: Was er formuliert, kann man jeden Tag in der S-Bahn zwischen Hackerbrücke und Pasing hören. „Wir brauchen in Bayern keine Opposition – wir haben schon eine Demokratie!“ ruft er aus. Und die zehnminütige Brandrede eines bayerischen Landwirts wider die fortgesetzte Naturzerstörung beschließt er mit den Worten: „Da muss doch endlich einmal etwas passieren! Und das ist der Grund - und deswegen wähle ich auch dieses Mal wieder die CSU!“
Karten gibt es online unter: www.konzertbuerorauch.de
Info: www.well-brueder.de www.konzertbuerorauch.de
Veranstalter:
Max R a u c h
Konzertbüro
Lessingstraße 5
94 575 Windorf
Tel.: 08541/919 551,
Mobil: 0170/5261643
Presseinfo:
Fränkischer Tag 29.11. 2004
Kleinbürger im Freistaat im Visier
Gerhard Polt solo – Nur in Spanien ist das Leben offenbar noch schöner
„Ausverkauft. Nur Stehplätze sind noch zu haben.“ Wenn so die ernüchternde Auskunft am Ticketschalter lautet, dann muss im Joseph-Keilberth-Saal mit seinen 1397 Sitzen schon wahrhaft Besonderes geboten werden. Tatsächlich: Mit Gerhard Polt war so etwas wie der Karl Valentin unserer Tage in Bamberg zu Gast. Übrigens wollte sich auch Oberbürgermeister Herbert Lauer den satirischen Blick auf das Leben der Kleinbürger im Freistaat nicht entgehen lassen.
Den gebürtigen Münchner, 62 mittlerweile, und seit fast drei Jahrzehnten als Kabarettist unterwegs, kann man zusammen mit den Biermösl Blosn erleben oder im Kino. Am besten aber genießt man ihn pur bei seinem Soloprogramm. Eine große Bühne, ein Mikrophon, ein einsamer Stuhl (auf den er sich den ganzen Abend lang nicht setzen sollte), ein Lichtkreis – mittendrin Gerhard Polt, mittendrin im Leben, von dem er erzählt. Geschichten fast wie im richtigen Leben, gefiltert durch Polts „private Meinung meinerseits“.
Vom Finanzamt („trockene Materie, aber sehr gute Kantine“) hat er sich hochgearbeitet zum Konservator in einem Kulturstaat von Rang, Bayern nämlich. Freilich ist man von anderen Kulturstaaten umzingelt. Das Problem: dass es Menschen gibt, „wie es sie früher nicht gegeben hat, jedenfalls nicht in Bayern“. Kerle, die im Nymphenburger Schloss König Ludwig einen ausgezuzelten Kaugummi ins Antlitz kleben wollen, oder im Rokokotheater von der Loge herunter ihr Geschäft zu verrichten gedenken. Schließlich spiele man Shakespeare unter einem gewissen Schlingensief, und da sei der „Stuhlgang Teil der Dramaturgie“.
Polt wird nicht müde, über das gerade in der Vorweihnachtszeit herrschende Gedränge in den Fußgängerzonen zu wettern, wo der „Mensch zum Container wird und alles in sich reinschiebt“. Auch schimpft er über „zugereiste Siemens-ler“ in der Nachbarschaft, die kein Bayerisch verstehen. Wenigstens sei es gelungen, den Dialekt im Archiv des BR zu konservieren, „und da kommt er auch nicht mehr raus“.
Ach, und unser Bayern – von Franken war an diesem Abend nie die Rede – ist doch so schön. Die Blasmusik, die Berge, weißblau der Himmel: „Ein Neger passt da nicht rein.“ Das sei natürlich rein farblich gemeint. Sarkastische Töne auch, wenn der Kabarettist bemerkt, Hitler habe, anders als etwa Scharping, kein Abitur gehabt, „und es trotzdem zu etwas gebracht“.
Die Rentner will Polt nach Spanien schicken, wo sie ohne Heizung auskommen. In der internationalen Wohnanlage („dort gibt es sogar Österreicher“) im Süden herrsche ohnehin Bombenstimmung, vor allem wenn der Wetterbericht meldet, Deutschland nähere sich von Island her wieder ein Tief.
Bei Polt wird man nicht nur bestens unterhalten, man lernt sogar noch dazu, etwa was Tragik ist: Ein Schwimmer ersäuft. Ertrinke ein Nichtschwimmer, so sei das nur konsequent.
Für den Nachhauseweg gab Polt dem begeisterten Publikum (so lautstark, wie es den wortflinken Satiriker begrüßte, werden andere Künstler nicht mal verabschiedet) noch den Ratschlag mit, zwecks größerer Transparenz aus Glaskrügen zu trinken. Mit einem stählernen Krug erwische man schon mal einen „mir persönlich anonymen“ Auswurf. Der aber sei immerhin die „Auster des kleinen Mannes“.
Wenn Lachen, und das steht ja außer Frage, gesund ist, dann haben etliche Polt-Fans einmal mehr einen außerordentlich gesunden Abend verbracht – so viel steht fest.
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